Humanship & Horsemanship

Am Umgang mit Pferden kann man viel lernen. Das ist bekannt. Ob im Umgang mit Pferden oder mit Menschen. Unter Stress zeigt sich, wie weit wir in unserer Entwicklung wirklich sind.

Am 09. März habe ich mit meiner Tochter einen Ausflug zur Equitana in Essen gemacht, der Weltmesse des Pferdesports.

Ich selber mag Pferde sehr, bin jedoch nicht aktiv oder auch nur im entferntesten so involviert wie meine Tochter. Sie studiert Tiermedizin, unterhält mit allen Entbehrungen ein eigenes Pferd und denkt viel über deren Wesen und den Umgang mit ihnen nach. Erst durch sie bin ich damit in Kontakt gekommen und damit auch mit den Ideen des Horsemanship, eines neuen Umganges mit den Pferden, basierend u.a. auf Würde, Respekt und Geduld und Empathie.

Zwei Tage waren wir auf der Messe und es hatte viele kontemplativen Momente, in denen ich manchmal eine ganze Stunde nur als Beobachter und ohne jede aktive Teilnahme am Geschehen still dabei stand.

Da wandert das Bewusstsein und der Kopf macht Free-Wheeling.

Zwei Tage davor war ich Gast auf der New Work Experience von XING. Und plötzlich verbanden sich beide Eindrücke zu einem Gedanken, der mich hellwach werden ließ.

Einer der Anstöße war der Samstagabend, als bei der Hop-Top Show als großes Finale der berühmte „Lorenzo“ auftrat. Er hatte bis zu Acht Pferde in der zum Parcours umgebauten Messehalle und machte unfassbare Dinge. Auf YouTube gibt es Details, doch im Grunde besteht seine Leistung darin, dass er bei allen Formationen (und Sprüngen!) stets auf 2 Pferden freihändig steht und die 6 anderen Pferde in wechselnder Formation mitreiten. Es sieht nicht so aus, als ob er überhaupt große Anweisungen geben würde und vor allem wenn mal ein Pferd ein bisschen ausschert, wirkt es, als ob er nur wartete und die Pferde organisierten sich komplett selbst.

„Wie macht er das nur“ fragte mich mein Tochter fasziniert. Wir waren uns einig, dass es unendlicher Geduld in der Arbeit mit den Pferden bedarf, um an diesen Punkt zu gelangen.

Doch wie war es früher?

Das Pferd war ein Arbeitstier, es wurde dem Menschen brachial und willentlich gefügig gemacht. Ausdrücke wie „jemandem die Sporen geben“ oder Training mit „Zuckerbrot und Peitsche“ rühren noch aus dieser frühen Zeit. Dann kamen neue Methoden auf und die Erkenntnis, dass ein anderer Umgang mit den Tieren völlig neue Erfolge erzielte. Ein besseres Miteinander entstand, ja, es wurden in spektakulären Geschichten Blockaden in den Pferden aufgelöst und plötzlich konnten die „Problemfälle“ wieder beritten werden. Die Sprache war vom Pferdeflüsterer, Horsemanship wurde populär und es dauerte nicht lange, bis die Metapher des „Flüsterers“ auch Verwendung fand, um im Umgang mit anderen Menschen besonders emphatische vorgehende Personen zu beschreiben. Pferdetherapie beschreibt nicht die Therapie am Pferd sondern die Therapie am Menschen mit dem Pferd. Soweit hat es sich entwickelt.

In den letzten Jahren trug sich also ein massiver Paradigmenwechsel zu, in der Art und Weise, wie Pferde ausgebildet, behandelt und eingesetzt werden können. Das polarisiert und auch heute noch gibt es unter den Pferdebesitzern und -Trainern klare Positionen, dass ein Pferd Arbeitsmittel ist oder Sportgerät und dass es dem Menschen unbedingt zu gehorchen hat. Die Betonung liegt hier auf unbedingt. Entsprechend wird das Pferd behandelt. Doch um es ungeachtet dieser Gruppe noch klarer an einem Bild zu verdeutlichen: Wenn heute ein Krieg ausbräche und wir müssten zu Pferde in diesen ziehen, würde wohl keiner die Zeit aufbringen, die Tiere als das Wunder zu betrachten welches sie sind und deren Wesen es zu respektieren gilt, während sie für den Einsatz im Heer ausgebildet werden. Die Pferde wären vielmehr Mittel zum Zweck und würden auf denkbar schnellste Weise dafür fit gemacht, den Reiter in den Krieg zu tragen.

Was mich an dem Sonntag plötzlich so hellwach werden ließ war der Gedanke, dass die reale Welt in der Pferdehaltung und in der Personalarbeit so weit nicht voneinander entfernt scheinen. Das ist wohl provokativ, doch den Gedanken dahinter finde ich interessant:

In der Analogie wäre der Mitarbeiter das Pferd. Die Führungskraft wäre der Reiter. Und New Work ist Horsemanship.

Wenn hier das Management eines Unternehmens die Marktsituation als Krieg empfindet, dann wird auch der Mitarbeiter wieder zum Objekt gemacht, statt als Wunder gesehen zu werden, die Führungsmethode packt wieder Zuckerbrot und Peitsche aus und weiche Themen der Personalarbeit werden den Metriken der Key Performance Indicators hintenan gestellt. Impuls und Einladung werden wieder zu Planung und Kontrolle. Der Mensch als Wesen weicht dem Menschen als Resource und Sinn oder Integrität machen Platz für den alten Ansatz „höher, schneller, weiter“. Dabei sollte die Entwicklung doch in die andere Richtung gehen!

Auf der Equitana Messe war für mich klar zu spüren, dass trotz allen Wandels immer noch viele Anwesende hinter vorgehaltener Hand nichts anderes von einem Pferd erwarten, als dass es funktioniert. Und in viel zu vielen Unternehmen ist es klar zu spüren, dass hinter vorgehaltener Hand am Ende argumentiert wird, man möge sich bitte einfach zusammenreißen und gefälligst seinen Job machen. Schließlich handelt es sich hier um einen Arbeitszeitüberlassungsvertrag und man bekommt ja schließlich auch Geld dafür. Ende der Diskussion.

Worauf möchte ich mit meinem Bild hinaus? Wenn wir ein Pferd haben und fühlen uns als wären wir im Krieg, dann würde kaum einer erst einen Horsemanship-Kurs auf einer idyllischen Farm in den USA belegen, um seinen lebenden Transporter vorzubereiten. Wenn wir Kollegen und Mitarbeiter haben und fühlen uns persönlich „im Krieg“, dann werden wir ebenso wenig aus alten Mustern der von der Industrialisierung geprägten Führung des letzten Jahrhunderts ausbrechen.

Altruismus in Zeiten des Überflusses und der Leichtigkeit kann (fast) jeder.

Widrigkeiten ohne egozentrisches Verhalten zu meistern, ist dagegen die Hohe Kunst. Wenn ich das Leben da draußen als persönliche Bedrohung empfinde, dann ist es nur noch ein kleiner Schritt, andere zu bedrohen, um für mich selbst wieder Kongruenz zu erlangen. Es geht also darum, überhaupt erst das Leben in all seinen Facetten am besten nie als „Kriegsschauplatz“ zu empfinden.

Genau an diesem Punkt setzt meine Überzeugung an, dass wahre Personalentwicklung eben Persönlichkeitstraining ist und an inneren Haltungen arbeitet. Es geht darum, einen inneren Frieden zu kultivieren, um die Gelassenheit zu bewahren, weise, altruistisch, ethisch korrekt und im besten Sinne humanistisch auch dann zu handeln, wenn bedrohlich wirkende Herausforderungen bestehen. Innere Haltungen wiederum kann jeder nur erkennen und transformieren, der sich darin übt, bewusst den Blick nach innen zu richten. Eine solche innere Reise ist eine spirituelle Reise. Und spirituelle Reife ist gleichbedeutend mit emotionaler Reife. Wie wir auf die Dinge reagieren, ist unsere eigene Entscheidung. Sich dessen gewahr zu werden ist ein sehr guter erster Schritt.

Es ist eine klare Einladung für ein aktives Achtsamkeits- und Bewusstseinstraining.

Haben Sie schon Techniken eines solchen Trainings für sich gefunden? Gut! Dann geben Sie dem einen hohen Stellenwert in Ihrer regelmäßigen Praxis – es lohnt sich. Sie empfinden die Notwendigkeit noch nicht als offensichtlich oder haben Berührungsängste? Zu spirituell oder gar esoterisch, nicht messbar oder schlicht Hokuspokus?

Durch Drum Cafe miteinander Musik zu machen ist – ganz beiläufig zum mittreissend wirkenden Entertainmentfaktor – ein eindrucksvolles Achtsamkeits- und Bewusstseinstraining, weil es die Teilnehmer ohne komplexe Sachverhalte und Erklärungen ganz spontan in die Verbindung mit sich, dem Moment und den Menschen im Raum bringt.

Mit der Drum Cafe Academy unterstützen wir aktiv dabei, diese Erfahrung ebenso sachlich wie nachhaltig für die Personal- und Organisationsentwicklung einzusetzen.

Mehr Info zur Academy erhalten Sie hier oder fordern Sie einfach hier Ihr individualisiertes Angebot direkt an.


Herzliche und verbundene Grüße im Namen des ganze Drum Cafe Teams,

Matthias Jackel

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